Informationen zum Verlauf der Gallipoli-Kampagne
Diese Seite bietet einen detaillierten Überblick über den Verlauf der Gallipoli-Kampagne. Erfahren Sie mehr über die wichtigsten Ereignisse, die diese historische Militäroperation geprägt haben. Entdecken Sie die Chronologie der Ereignisse, von den ersten Landungen bis zum letztendlichen Rückzug der alliierten Truppen.
Die gescheiterte Marineoperation
Churchill drängte auf einen Marinevorstoß, der das Osmanische Reich ausschalten, den Seeweg zu Russland öffnen und Konstantinopel (Istanbul) bedrohen sollte. Ab dem 19. Februar 1915 beschossen alliierte Schlachtschiffe systematisch die osmanischen Küstenforts am Eingang der Meerengen und rückten Ende Februar/Anfang März schrittweise weiter hinein, während Marinekommandos einzelne Batterien an Land zerstörten. Trotzdem blieb ein entscheidendes Problem: die dicht gestaffelten Minensperren in der Enge der Dardanellen. Außerdem legte die osmanische Seite unter deutscher Beratung zusätzliche Minen, unter anderem mit dem Minenleger „Nusret“, auch an Stellen, an denen die Alliierten später zum Wenden ansetzen würden.
Quelle: Infografik WELT
Die Karte zeigt die Dardanellen im März 1915. Sie markiert osmanische Küstenforts, bewegliche Batterien an den Ufern, gestaffelte Minenfelder und die Stellen, an denen alliierte Schlachtschiffe sanken. Am 18. März 1915 versuchte eine britisch-französische Flotte, die Meerengen freizuschießen. Mehrere Großkampfschiffe, darunter „Bouvet“, „Irresistible“ und „Ocean“, gingen verloren, weitere wurden schwer beschädigt. Der Durchbruch scheiterte. Danach entschieden die Alliierten, Bodentruppen auf Gallipoli zu landen (ab 25. April 1915), weil die Flotte allein nicht durchkam.
Die Explosion der „Bouvet“ wurde zum Symbol des ScheiternsQuelle: Wikipedia/Public Domain

Die ersten Landungen (25. April 1915)
Diese Karte zeigt den ersten Tag der Landung der australischen und neuseeländischen Truppen (ANZAC) auf der Gallipoli-Halbinsel am 25. April 1915. Das Operationsziel der neuseeländischen Einheiten war, die linke Flanke der Australier zu stützen und die Höhe ‘Baby 700’ zu sichern, weil diese Höhe die Zugänge ins Landesinnere kontrollierte. Die Karte macht deutlich, warum der Plan scheiterte: Das Gelände oberhalb von Anzac Cove war steil, zerfurcht und an vielen Stellen kaum begehbar; die osmanischen Verteidiger hielten bereits die Hügelkämme (schraffierte Zone). Die ersten Vorstöße verliefen ungeordnet, Einheiten verloren Orientierung im Gelände und wurden unter Beschuss zurückgedrängt. Am Ende des Tages entstand entlang der Höhenlinie von Baby 700 über Quinn’s Post bis Lone Pine eine provisorische Front, statt eines schnellen Durchbruchs ins Hinterland. Genau diese Erstarrung am 25. April 1915 machte aus der geplanten Offensive einen monatelangen Stellungskrieg oberhalb von Anzac Cove.

“I don’t order you to attack, I order you to die. In the time it takes us to die, other troops and commanders can come and take our places.”
Mustafa Kemal
Bei dieser Primärquelle handelt es. sich hier um einen Frontbefehl von Mustafa Kemals an das osmanische 57. Regiment vom 25. April 1915 während der Landung der ANZAC-Truppen auf der Gallipoli-Halbinsel. Die Kernaussage lautet, die Soldaten sollten notfalls sterben, um Zeit zu gewinnen, bis Verstärkung eintreffen und die Stellung übernehmen könne. Der unmittelbare Adressatenkreis sind die Männer des 57. Regiments der 19. Division gewesen, die an den entscheidenden Höhen über Anzac Cove (u. a. Sari-Bair-Kamm / Chunuk Bair–Vorfeld) eingesetzt wurden. Mittelbar richtet sich der Satz aber auch an untergeordnete Kommandeure, die diesen Befehl durchsetzen mussten. Die alliierten Landungstruppen aus Australien und Neuseeland hatten am Morgen des 25. April 1915 Fuß gefasst und versuchten, die Höhen über der Küste zu nehmen. Wenn sie diese Höhen dauerhaft gehalten hätten, hätten sie ins Landesinnere ausbrechen können. Die osmanische Seite verfügte zu diesem Zeitpunkt nur über vorgeschobene Kräfte, Reserven waren noch im Anmarsch. In dieser Lage wäre der Auftrag an das 57. Regiment gewesen, die Höhenzüge um jeden Preis zu halten, um den alliierten Durchbruch zu verzögern. GDer Befehl sollte also Entschlossenheit erzwingen, Angst brechen und Gehorsam absolut machen. Er sagt nicht: „Haltet so lange es geht“, sondern: „Euer Tod ist eingeplant, damit andere nachrücken können.“ Der Stil des Satzes ist dementsprechend radikal. Er ist kurz, autoritär und enthält keine taktischen Details, sondern setzt eine Norm: totale Aufopferung.
Mustafa Kemal (später Atatürk) war 1915 ein osmanischer Offizier und Kommandeur der 19. Division bei Gallipoli und wurde später zum militärisch-politischen Führer des Unabhängigkeitskampfes sowie zum Gründer und ersten Staatschef der Republik Türkei.

Begräbnis türkischer Soldaten
Australische Soldaten begraben gefallene türkische Soldaten während des Waffenstillstands an der Anzac Cove am 24. Mai 1915. Nachdem am 19. Mai mehr als 3.000 Türken beim Angriff auf die ANZAC-Stellungen getötet worden waren, ermöglichte der Waffenstillstand die Bestattung der bereits verwesenden Leichen.
Der Verlauf der Gallipoli-Kampagne: Der Stellungskrieg
Nach der Landung (25.–29. April 1915)
Australische und neuseeländische Truppen ANZAC setzen bei Anzac Cove an Land. Sie halten einen kleinen Brückenkopf (ein gesichertes Startgebiet), schaffen es aber nicht, die hohen Hügel im Hinterland zu erobern. Die Osmanen werfen die Angreifer wiederum nicht zurück. Es entsteht ein Stellungskrieg: Beide Seiten graben Gräben, die Front bewegt sich kaum.
Linie festigen
Ende April/Anfang Mai bauen die ANZAC ihre Gräben aus, legen Wege für Nachschub und Verwundete an. Brennpunkte wie Quinn’s Post liegen nur wenige Dutzend Meter vom Gegner entfernt. Hier entscheidet gutes Eingraben und Koordinieren über das Überleben.
Angriff auf „Baby 700“ (2./3. Mai 1915)
„Baby 700“ ist eine wichtige Hügelkuppe über Anzac Cove. Neuseeländer und Australier versuchen nachts, sie zurückzuerobern. Wegen schwerem Feuer, schwierigem Gelände und mangelnder Abstimmung scheitert der Angriff. Ergebnis: viele Verluste, kein Gewinn.
Kämpfe um Krithia (Südabschnitt Helles, 28. Apr.–8. Mai)
Im Süden versuchen Briten und Franzosen, das griechische Dorf Krithia und den Hügelrücken Achi Baba zu nehmen. Idee: Von dort die Halbinsel „hochrollen“. Zwei große Angriffe (28. April und 6.–8. Mai) bringen nur wenige hundert Meter, kosten aber tausende Opfer. Die Front bleibt stehen.
Osmanischer Großangriff (19. Mai 1915)
Jetzt greift die osmanische Seite selbst mit Zehntausenden Mann an, um die ANZAC ins Meer zu drängen. Die ANZAC-Gräben halten. Die Osmanen erleiden sehr hohe Verluste (über 3.000 Tote in einer Nacht). Spätestens hier ist klar: Niemand bricht durch.
Lage Ende Mai/Anfang Juni
Die Front hat sich auf wenigen Kilometern festgefressen. Jeder Angriff kostet viel, bringt wenig. London steht vor der Frage: abbrechen oder verstärken? Man entscheidet sich fürs Weitermachen. Der Weg führt zur großen August-Offensive.
„Ich bin fest überzeugt, dass wir den uns gegenüberstehenden Feind schließlich ins Meer treiben müssen – auch wenn es unseren gemeinsamen Tod bedeutet. Unsere Lage im Vergleich zur des Feindes ist nicht schwach. Der Feindes Mut ist vollständig gebrochen. Er gräbt unaufhörlich, um einen Rückzugsort zu finden. Ich kann einfach nicht akzeptieren, dass es unter uns oder unter den Truppen, die wir befehligen, solche gebe, die hier lieber nicht sterben wollen, als ein zweites Kapitel der Balkanschmach zu erleben. Wenn ihr glaubt, dass es solche Menschen gibt — lasst uns sie sofort mit unseren eigenen Händen erschießen.“
Die Rede Mustafa Kemals stammt vom 1 Mai 1915, zu diesem Zeitpunkt gelang es dem osmanischen Truppen den Vorstoß der französischen und englischen Truppen in Krithia standzuhalten und sogar die französischen Linien kurzzeitig zu durchbrechen.
Der entschlossene und an die Soldaten der 19.Division der fünften Armee der türkischen Streitkräfte appellierende Ton Kemals, soll die Wirkung erzielen, die schon erzielten Erfolge zu unterstreichen und die Soldaten für weiteren Widerstand zu ermutigen.
Er erwähnt die "Balkanschmach" wobei er auf die Niederlage des osmanischen Reichs im Balkankrieg 1912-1913 verweist. Hierbei wurde das osmanische Reich aus ihren Gebieten in Europa bis nach Asien, also das Gebiet der heutigen Türkei, verdrängt.
Die August-Offensive
Im August 1915 beschlossen die Alliierten einen letzten großen Versuch, das Patt zu durchbrechen. Die Idee lief unter dem Namen „Sari-Bair-Offensive“ oder „August-Offensive“
Der folgende Plan war angelegt: In der Nacht sollten alliierte Truppen ins bergige Hinterland marschieren und die wichtigsten Höhen der Sari-Bair-Kette erobern. Vor allem Chunuk Bair. Wer diese Höhe hielt, kontrollierte das Gebiet. Gleichzeitig sollten neue britische Einheiten weiter nördlich bei Suvla Bay landen und nach innen vorstoßen. Um die Osmanen zu beschäftigen, sollten andere Punkte an der Front frontal angegriffen werden: Lone Pine, The Nek, Quinn’s Post und Pope’s Hill. Diese Angriffe waren teilweise Ablenkungsangriffe, um türkische Reserven zu binden und Verwirrung zu stiften.
Die August-Offensive sollte der Durchbruch sein. An manchen Stellen (Lone Pine) konnten die Alliierten türkische Gräben besetzen und halten. An anderen Stellen (The Nek) starben hunderte Soldaten innerhalb von Minuten ohne jeden Erfolg. Die wichtigste Höhe (Chunuk Bair) wurde zwar kurzzeitig genommen, aber nicht gehalten. Die Osmanische Armee gewann sie mit Gegenangriffen zurück. Im Ergebnis änderte sich die Gesamtlage auf Gallipoli kaum. Die Front blieb eng und unbeweglich.
Der Entschluss zur Evakuierung - Der einzige wahre Erfolg?
Warum evakuiert wurde
Nach der gescheiterten August-Offensive war klar, dass die Alliierten auf Gallipoli keinen Durchbruch mehr schaffen würden. Die Front hatte sich festgesetzt, aber die Kosten blieben hoch: Die Truppen waren erschöpft, unterversorgt und von Krankheiten geschwächt. Mit dem Wintereinbruch im November 1915 kamen Kälte, Sturmfluten, Erfrierungen und Überschwemmungen in den Gräben dazu. Viele Männer erfroren oder erkrankten schwer. Gleichzeitig wuchs in London die Einsicht, dass Gallipoli militärisch keinen Sinn mehr ergab – besonders weil die Osmanische Armee inzwischen zahlenmäßig überlegen war und schneller Verstärkung erhielt, während Großbritannien keine weiteren frischen Truppen schicken wollte. General Ian Hamilton wurde abgesetzt, sein Nachfolger General Charles Monro inspizierte die Front und empfahl den Abzug. Der britische Kriegsminister Lord Kitchener stimmte schließlich zu und ordnete die Räumung an. Aus Sicht der Führung war bleiben jetzt nur noch „teuer sterben“ – also entschied man sich für den Rückzug.
Ein Cricketspiel wurde auf Shell Green gespielt, um die Türken vom bevorstehenden Abzug alliierter Truppen abzulenken.
Die Anzacs benutzten improvisierte selbstbefeuernde Gewehre, um die osmanischen Streitkräfte während ihrer Evakuierung aus Gallipoli im Dezember 1915 zu täuschen. Erfunden von Lance-Corporal William Scurry, 7. Bataillon, AIF, wurden diese "Tropf- oder "Pop-off"-Gewehre in Abständen abgefeuert, um die Osmanen davon zu überzeugen, dass die Anzacs immer noch ihre Schützengräben besetzten.
Wie evakuiert wurde
Die Evakuierung wurde streng geheim und sehr sorgfältig geplant, weil jede offene Bewegung sofort einen osmanischen Gegenangriff ausgelöst hätte. Ab Mitte Dezember 1915 wurden zuerst Verwundete, Kranke und „überflüssige“ Soldaten nachts in kleinen Gruppen von den Stellungen bei Anzac Cove und Suvla Bay zu Booten gebracht. Gleichzeitig wurde Material (Waffen, Munition, Vorräte) still abtransportiert. In den Gräben blieb tagsüber eine immer kleinere Restbesatzung zurück, damit alles normal aussah. Um die Osmanen zu täuschen, richteten die Alliierten sogenannte „drip rifles“ ein – Gewehre, die durch einen langsam fallenden Wassertropfen den Abzug auslösten und so weiter feuerten, obwohl kaum noch jemand da war. In der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember 1915 verließen die letzten rund 10.000 Soldaten Anzac Cove und Suvla Bay; am Morgen des 20. Dezember waren diese Stellungen leer. Der südlichere Frontabschnitt am Kap Helles wurde wenige Wochen später (8.–9. Januar 1916) ebenfalls geräumt. Die Evakuierung gilt als der vielleicht erfolgreichste Teil der gesamten Operation: Sie gelang praktisch ohne größere Verluste – im Gegensatz zur Landung, die Monate zuvor so blutig gewesen war.
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